Definition Autismus-Spektrum-Störung

Autismus zählt nach der International Classification of Diseases ( ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Man spricht von autistischen Störungen bzw. Syndromen oder Autismusspektrumstörungen, weil diese eine Vielzahl von Einzelsymptomen beinhalten. Im Zentrum der Störung, die gewöhnlich vor dem 3. Lebensjahr beginnt, steht eine schwere Beziehungs- und Kommunikationsstörung und ein deutlich eingeschränktes Repertoire von Aktivitäten und Interessen.

Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung bilden die Ursache für viele auftretende Probleme. Menschen mit einer autistischen Störung leben in ihrer eigenen Welt und können sich von dem, was in und außerhalb von ihnen vor sich geht kein  schlüssiges Bild machen. Sie sehen die Einzelheiten häufig sehr scharf, können aber sinnvolle Zusammenhänge oder Strukturen nur schwer erfassen und/ oder Handlungsabläufe zielgerichtet steuern. Schüler und Schülerinnen mit einer Autismusspektrumstörung sind nur schwer in der Lage, sich in die Situation anderer Menschen hineinzuversetzen, deren Körperhaltung, Mimik, Gestik zu deuten und daraus resultierend Handlungen vorherzusehen, diese situationsangemessen einzuordnen oder flexibel darauf zu reagieren. In ihrem kommunikativen Handeln kommt es immer wieder zu Missverständnissen, da sie Sprache eher wortwörtlich verstehen und auch so verstanden werden wollen. Mit Ironie und Metaphern können sie nur schwer angemessen umgehen. Auffällig ist auch ihre eher monotone Stimmlage bei geringer oder gar keiner Mimik und Gestik.

Hinzu können Verhaltensweisen kommen, die für die Familien und auch die Lehrkräfte im täglichen Umgang eine große Herausforderung darstellen. Dazu gehören Probleme mit der Nahrungsaufnahme wie z.B. das Bevorzugen bestimmter Speisen, Schlaf- und Reinlichkeitsprobleme, Aggressivität, selbstverletzendes Verhalten, fehlende Angst vor realen Situationen und die Tendenz, ihre Umwelt möglichst wenig zu ändern, was  in stereotypen, zwanghaften Verhalten münden kann.

Die autistische Symptomatik variiert zwischen den betroffenen Kindern und innerhalb eines Kindes im Verlauf der Entwicklung. Autistische Verhaltensweisen sind je nach Entwicklungsstand des Individuums und dessen kognitivem Niveau der  daraus resultierenden Kompensationsmöglichkeiten unterschiedlich ausgeprägt, so dass  das Verhältnis zu den Mitmenschen auch sehr unterschiedlich ist. So können z.B. bei einigen Schülern und Schülerinnen  eine Ansammlung von Menschen, die in der Regel auch mit einem gewissen Geräuschpegel verbunden ist, Angst, Unruhe, Nervosität hervorrufen. Das starke Fixieren auf das eigenen Spezialthema oder das Interessensgebiet erschwert oder verhindert ausdauernde Kontakte. Es fehlt oft an Kompetenz und daraus resultierend an Motivation, ein unverbindliches Gespräch zu initiieren oder daran teilzunehmen. Dies kann dazu führen, dass sich die Schüler und Schülerinnen in sich zurückziehen, wobei einige massive Ängste vor allem Ungewohnten und Neuen entwickeln, während anderen der regelmäßige Schulbesuch angesichts der immensen sozialen Herausforderungen große Probleme bereitet. Sehr verbreitet ist die deutliche Trennung zwischen den Lebenswelten Schule und schulfreie Zeit.

Die schulische Förderung der Kinder und Jugendlichen mit autistischem Verhalten ist grundsätzlich Aufgabe aller Schulformen. Da die Unterschiedlichkeit der Ausprägung der autistischen Störungsbilder eine individuelle Ausrichtung der pädagogischen Maßnahmen erfordert und Erziehungsziele, pädagogische Inhalte und Methoden an der Individualität und an den unterrichtlichen Bedürfnissen des einzelnen Kindes oder Jugendlichen und seines Umfeldes anknüpfen müssen, stellen sich den Lehrkräften besondere Herausforderungen. Diese können oft nur in Vernetzung mit anderen Diensten bewältigt werden.

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Bearbeitet von: wolfgangkannenberg     letzte Änderung 2014-05-05T12:54:53+01:00