Berufliche Orientierung geistige Entwicklung

Das Modul Berufliche Orientierung geistige Entwicklung (kurz: BOGE) ist speziell für Schülerinnnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung konzipiert.

 

Modul

BOGE

Grundsätzliches

 

Das Modul umfasst drei Bausteine, die aufeinander aufbauen.

Dauer

Die Durchführung der einzelnen Bausteine kann innerhalb der zwei Schuljahre erfolgen.

Zielgruppe

Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung der allgemeinbildenden Schulen des Landes Niedersachsen, die sich in der Vorabgangs- oder Abgangsklasse befinden.

Teilnehmen sollen Jugendliche,

  • die für eine Einmündung in den allgemeinen Ausbildungs-/Arbeitsmarkt grundsätzlich in Betracht kommen oder
  • bei denen noch nicht sicher feststeht, dass eine Perspektive auf dem allgemeinen Ausbildungs-/Arbeitsmarkt vorhanden ist.

Mindestteilnehmenden-

zahl

6

 

Baustein 1

Berufswegeplanung/

Potenzialanalyse

Zielsetzung

Durch das Absolvieren des Moduls sollen die Schülerinnen und Schüler:

  • erste Eindrücke über eigene Stärken, Potentiale und berufliche Neigungen,
  • einen ersten Abgleich von Selbst- und Fremdeinschätzung,
  • eine erste Orientierungshilfe für mögliche Berufsfelder

erhalten.

Inhalt

Im Rahmen dieses Bausteins sollen Aussagen zu folgenden Diagnosefeldern getroffen werden:

  • Bewerbungskompetenzen: z. B. telefonieren können, öffentliche Verkehrsmittel eigenständig nutzen können, etc.
  • Arbeitsverhalten: z. B. kognitive und psychomotorische Fähigkeiten, Fähigkeiten zur Art der Arbeitsausführung, Fähigkeiten aus dem Bereich Kulturtechniken/Kommunikation, etc.
  • Sozialverhalten: z. B. Pünktlichkeit, Kritikfähig-keit, Zuverlässigkeit, Anstrengungsbereitschaft, Teamarbeit, angemessener Umgang mit Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten, etc.
  • Reflexionsfähigkeit: z. B. Umgang mit der eigenen Beeinträchtigung/Behinderung hinsichtlich beruflicher und persönlicher Lebensplanung
  • realistische Selbsteinschätzung, Erkennen eigener Fähigkeiten und förderbarer Potentiale
  • Arbeitstechniken

Im Rahmen der notwendigen Erhebung kommen unterschiedliche eignungsdiagnostische Verfahren (inkl.  ein geeignetes Kompetenzfeststellungsverfahren) zum Einsatz, die sich in Methode und Perspektive ergänzen.

Dauer

Die Schülerinnen und Schüler nehmen innerhalb eines Zeitraums von 14 Kalendertagen an drei Schultagen mit jeweils sechs Schulstunden zzgl. angemessener Pausenzeiten an diesem Baustein teil.

Im Anschluss daran werden innerhalb von vier Wochen Abschlussgespräche geführt. Im Rahmen der Einzelgespräche werden die Ergebnisse der Erhebungen ausführlich mit den Teilnehmenden und bei Minderjährigen zusätzlich deren Erziehungsberechtigten sowie bei Volljährigen ggf. dem gesetzlichen Betreuer besprochen. An diesem Gespräch sollen die Lehrkräfte und die jeweils zuständige Reha-Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit beteiligt werden.

 

Baustein 2

Vertiefte berufsfeldbezogene Berufsorientierung

Zielsetzung

Durch das Absolvieren des Moduls sollen die Schülerinnen und Schüler:

  • ihre beruflichen Interessen und Fähigkeiten erkunden.
  • eine realistische Einschätzung ihrer arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten erhalten.
  • ihr individuell mögliches Berufswahlspektrum erweitern.
  • ihre berufsrelevanten sozialen Kompetenzen, Handlungskompetenzen sowie ihre Kommunikationsfähigkeit verbessern.
  • ihre persönliche Entscheidungsfähigkeit stärken.

Inhalt

Am ersten Tag werden die Schülerinnen und Schüler auf die Erkundungstage vorbereitet. Dazu gehören:

  • Vorstellung der Betriebe und Berufsfelder,
  • handlungsorientierte Klärung möglicher Fragen zu den Erkundungstagen (Anfahrt, (Berufs-) Bekleidung, Verhalten im Betrieb etc.),
  • gemeinsame Entwicklung von individuellen Beobachtungsaufgaben für die Praxisphase, auf deren Basis die Auswertung erfolgen kann,
  • gemeinsame Erarbeitung eines berufsfeldbezogenen, adressatengerechten Fragenkatalogs, mit dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen an den Erkundungstagen sammeln können.

Während der folgenden drei Erkundungstage sollen die Jugendlichen

  • Informationen zu den ausgewählten Berufsfeldern erhalten.
  • betrieblicher Abläufe und berufsbezogene Arbeitsgeräte kennenlernen.
  • sich mit verwendeten Materialien und Arbeitskleidung vertraut machen.
  • individuell geeignete Bereiche des regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts kennenlernen.
  • ihre sozialen Kompetenzen (z. B. angemessener Umgang mit Kolleginnen bzw. Kollegen und Vorgesetzten, Auswahl geeigneter Bekleidung etc.) trainieren.
  • unterstützt werden, ihren Arbeitsweg zu planen und zu bewältigen (begleitetes Mobilitätstraining).

Der Nachbereitungstag dient der Auswertung der Erkundungstage. Der Bildungsträger reflektiert gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in kleinen Gruppen die gewonnenen Erkenntnisse anhand der Beobachtungsaufgaben und des Fragenkatalogs. Man stimmt sich gemeinsam ab, welche Praktikumsplätze im Rahmen des Bausteins „Geeignete Berufe in der Praxis kennenlernen“ akquiriert werden sollen.

Dauer

Der Baustein besteht aus einem Vorbereitungstag, drei Erkundungstagen und einem Nachbereitungstag, die im Block oder an einzelnen Schultagen durchgeführt werden können.

Im Anschluss daran werden innerhalb von vier Wochen Abschlussgespräche geführt.

Im Rahmen der Einzelgespräche werden die Ergebnisse der Erhebungen ausführlich mit den Teilnehmenden und bei Minderjährigen zusätzlich deren Erziehungsberechtigten sowie bei Volljährigen ggf. dem gesetzlichen Betreuer besprochen. An diesem Gespräch sollen die Lehrkräfte und die jeweils zuständige Reha-Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit beteiligt werden.

 

Baustein 3

Geeignete Berufe in der Praxis kennenlernen

Zielsetzung

Durch das Absolvieren des Moduls sollen die Schülerinnen und Schüler

  • ihr individuell passendes Berufswahlspektrum praktisch überprüfen.
  • fachpraktische Erfahrungen durch Einbindung des Lernorts Betrieb sammeln.
  • ihre beruflichen Interessen und Fähigkeiten vertiefend erkunden.
  • zu einer fundierten Einschätzung ihrer arbeitsmarktrelevanten Fähigkeiten kommen.
  • ihre berufsrelevanten sozialen Kompetenzen, Handlungskompetenzen sowie ihre Kommunikationsfähigkeit in der Praxis trainieren.
  • bei ihrer beruflichen Entscheidungsfindung unterstützt werden.

Ziel ist es, dass die Jugendlichen auf der Grundlage der erworbenen praktischen Erfahrungen eine begründete Berufswahlentscheidung treffen können.

Inhalt

Am ersten Tag werden die Schülerinnen und Schüler auf das Praktikum vorbereitet. Dazu gehören:

  • Vorstellung des Praktikumsbetriebs,
  • handlungsorientierte Klärung möglicher Fragen zu den Praktika (Anfahrt, (Berufs-)  Bekleidung, Verhalten im Betrieb etc.),
  • Erstellung eines individuellen Ablaufplans für das Praktikum,
  • Entwicklung von individuellen Beobachtungsaufgaben für die Praxisphase, auf deren Basis die Auswertung erfolgen kann,
  • Erarbeitung eines betriebsbezogenen, adressatengerechten Fragenkatalogs, mit dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Informationen im Praktikum sammeln können.

Während der folgenden acht Praktikumstage werden die Jugendlichen

  • berufliche Tätigkeiten, betriebliche Abläufe und berufsbezogene Arbeitsgeräte handlungsorientiert kennenlernen,
  • betriebliche Materialien und Arbeitskleidung nutzen,
  • ihre sozialen Kompetenzen (z. B. angemessener Umgang mit Kolleginnen bzw. Kollegen und Vorgesetzten, Auswahl geeigneter Bekleidung etc.) in der Praxis anwenden,
  • ihren Arbeitsweg bewältigen (ggf. auch begleitet).

Der Nachbereitungstag dient der Auswertung des Praktikums. Der Bildungsträger reflektiert gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kleinen Gruppen die gewonnenen Erkenntnisse anhand der Beobachtungsaufgaben und des Fragenkatalogs. Bildungsträger und Jugendliche stimmen gemeinsam ab, welche weiteren Schritte für die angestrebte berufliche Integration verfolgt werden sollen und welche Netzwerkpartner hierbei unterstützen können.

Dauer

Die Schülerinnen und Schüler nehmen im Rahmen dieses Bausteins an jeweils einem Vor- und Nachbereitungstag sowie an acht Praktikumstagen teil.

Im Anschluss daran werden innerhalb von vier Wochen Abschlussgespräche geführt.

Im Rahmen der Einzelgespräche werden die Ergebnisse der Erhebungen ausführlich mit den Teilnehmenden und bei Minderjährigen zusätzlich deren Erziehungsberechtigten sowie bei Volljährigen ggf. dem gesetzlichen Betreuer besprochen. An diesem Gespräch sollen die Lehrkräfte und die jeweils zuständige Reha-Beratungsfachkraft der Agentur für Arbeit beteiligt werden.

 

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Bearbeitet von: Bianca Trogisch     letzte Änderung 2020-09-21T16:25:20+02:00